Dienstag, 21. Juni 2016

Tutorial: Aus Alt mach Neu - Löcher verstecken

Schon seit Jahren leiden vor allem meine Oberteile unter einem mysteriösen Lochfraß, meist auf Höhe des Hosenbundes in der Mitte. Ich habe zahlreiche Versuche unternommen dem entgegenzuwirken. Meine erste Vermutung, die Ursache ist ein Gürtel, war leider falsch. Ich trage nur noch Gürtel mit einer flachen Schnalle, ohne Dorn der außen spürbar ist.
Die Löcher kommen trotzdem...
Idee 2: Reibung durch beispielsweise das Tragen eines Kleinkindes auf der Hüfte. Da baumelt ein Fuß immer vor besagtem Lochbereich. Auch mit Trage/ -tuch wäre eine lokal höhere Stoffbelastung denkbar.
Aber auch nach der Tragezeit meines großen Sohnes kamen die Löcher...

Möglichkeit 3: Reibung im Alltag. Ich bin mit der belasteten Stelle genau auf der Höhe meiner Küchenarbeitsplatte. Vielleicht klemmt sich hier was ein und reißt??
Aber mal ehrlich, ich stehe ja auch nicht nur in der Küche und da ist ja auch nichts scharfkantiges...
Meine letzte Idee und bei mir wohl oft die Ursache war der Reißverschluss der Hose. Bei Bewegung klemmt sich der Stoff des Oberteils leicht ein. Nachdem ich eine Zeit lang nur Hosen ohne Reißverschluss getragen habe, hatte ich deutlich weniger dieser mysteriösen Löchern. Ihr seht ich habe über die Jahre alle möglichen Änderungsversuche unternommen. So richtig erfolgereich war allerdings leider nichts. Die klassische Jeans hat nunmal einen Reißverschluss, den kann und will ich nicht völlig aus meinem Schrank verbannen... Außerdem gibt es manchmal auch Löcher an anderen Stellen.


Ich ziehe auch in Erwägung, dass die Modeindustrie nicht gerade vehement forscht, woher solche Löcher kommen oder wie man Abhilfe schaffen kann. Wäre ich ganz dreist, könnte ich auch mangelhafte Stoffqualität unterstellen... Klar fallen dünne Stoffe oftmals schöner als festere. Aber sie sind eben auch um ein vielfaches gefährdeter beim Einklemmen (egal wo: Hosenreißverschluss, Handtasche, Jackenreißverschluss, Waschmaschinentür... gabs alles schon! ;-) ) kaputt zu gehen. Für die breite Masse der Käufer bedeutet ein kaputtes Teil halt auch, wieder Kunde zu werden und neue Kleidung zu shoppen. Also unter dem Aspekt könnte man das auch sehen.... Als Boss in der Modebranche.......
Als nähende Frau sehe ich das eindeutig anders! Über die Jahre habe ich viele Blogs gerne verfolgt, die sich mit Themen wie "Ein Jahr ohne Shoppen" oder "Capsule Wardrobe" beschäftigen.
Hier einige wenige Links von Bloggerinnen, bei denen ich gerne zu diesem Thema lese:
  • Ricarda hat auf ihrem Blog Pech&Schwefel einige Posts zu ihrem Jahr ohne Shoppen. Klickt euch mal durch, ich mag ihren Schreibstil! 
  • Marina von Metterlink zeigt viele Gründe auf, warum selber nähen manchmal sogar besser ist, auch sie war 2015 nicht shoppen.
  • Bei Elke von EllePuls gibts einiges zum Thema Capsule Wardrobe - Was brauche ich wirklich? Lässt es sich kombinieren? Was passt zu meinem Typ?
  • Lena zeigt auf ihrem Blog Fantantisch auch wie es sich mit weniger aber dafür ausgewählteren Stücken gut zurechtkommen lässt!
Bei all diesen Ideen und Selbstversuchen spielt der Konsumgedanke ja eine große Rolle. Ich bekenne mich aber auch dazu, dass ich selbst wohl ein Jahr ohne shoppen nicht durchhalten könnte. Ich rechtfertige es vor mir bisher mit Argumenten wie: "Schwangerschaft und Stillzeit bringen Gewichtsschwankungen mit sich, da geht das ja garnicht!" Alleine meine Wortwahl zeigt, dass ich selbst bemerke, wie doof sich das anhört. Dennoch ist es so! Und dazu möchte ich auch stehen. Mein Umgang mit gekaufter Kleidung ist jedoch seit ich nähe ein anderer geworden. Ich sehe mir kritischer die Qualität der Nähte an und kaufe auch bewusster. Im Übrigen versuche ich auch in meine genähten Stücke mehr Struktur zu bringen. Tolle Stoffe gibt es viele! Aber braucht man die alle?? Ich stelle mir auch immer wieder die Frage, ob das geplante Teil auch in meinen Kleiderschrank passt und sich gut mit Vorhandenem kombinieren lässt.
Aber jetzt zu meinem eigentlichen Tutorial. Ich habe also jede Menge Klamotten, die - auf welche Art und Weise auch immer - Löcher haben. So sind sie nicht mehr tragbar, aber für den Müll eindeutig zu schade. Seit ich nähe, überlege ich welche Möglichkeiten es gibt, diese Kleidung wieder tragbar zu machen. Es gab in den letzten Jahren häufig Mode zu sehen, die extra einen used Look besitzt. Warum sich also nicht das zunutze machen...
Ich habe eines meiner früheren Lieblingsshirt wieder belebt und recycelt, indem ich es mit farblich passendem Garn geflickt habe. Was ich dabei beachtet habe, zeige ich euch heute.

Man nehme ein Shirt mit einem Loch / mehreren Löchern und sucht sich farblich passendes Garn. Passend muss hier nicht immer heißen Ton in Ton. Für einen Used Look, darf es ruhig auch ein bisschen auffälliger sein. Ein Vorher-Bild kann ich euch von meinem Shirt leider nicht mehr zeigen. Die Idee für das Tutorial entstand erst, als am Ärmel ein neues Loch aufgetaucht war. Die ersten Löcher habe ich schon länger versteckt...


Da der Stoff an der Stelle ja beschädigt ist, und somit anfälliger für neue Löcher, habe ich ihn verstärkt. Ich verwende dafür Reste von dünnen Bügeleinlagen aus meinem Bestand, beispielsweise Gewebeeinlage wie Vlieseline G700 oder H200.

Das ist die linke Stoffseite, auch wenn sie kräftigere Streifen hat... ;-)
Wer an seiner Maschine einen automatischen Stopfstich hat, kann natürlich diesen benutzen. Alternativ lässt sich ja mit jeder Maschine vorwärts und rückwärts nähen. Eine gewisse Unregelmäßigkeit ist ja oft sowieso erwünscht. Meine Pfaff Expression 3.2 hat einen tollen Stopfstich, den ich gerne verwende!

Wie bei den meisten Zierstichen empfohlen, sollte man die Fadenspannung etwas lockern. Bei meinem Shirt sieht man an der Stelle wo ich am meisten geflickt habe, dass sich das Shirt leicht zusammenzieht. Das waren meine ersten Versuche mit normaler Fadenspannung...

Daher empfehle ich, am Anfang noch etwas mit der Fadenspannung zu spielen. Meine Einstellung mit der ich meist nähe ist 5, beim Flicken stelle ich sie knapp unter 4. Das ist jedoch das, was bei mir am besten aussieht. Du solltest an deiner Maschine und mit deinem Teil ausprobieren wie es für dich passend ist.

Los gehts! Jetzt kann munter drauf losgenäht werden... Kreuz und quer oder eher nur in einer Richtung, wie es dir gefällt!

So sieht mein Loch am Ärmel dann danach aus:

Ich habe für einen "gleichmäßigen Used Look" auch an einigen intakten Stellen eine "Ziernaht" geflickt.


Mein neues altes Kaufshirt trage ich so wieder total gerne und der Zeit- und Materialaufwand hält sich echt in Grenzen! Aber mein Lager an kaputter Kleidung ist rießig und füllt mehrere Kisten vom Möbelschweden... Ich werde euch auf dem Laufenden halten, welche Ideen ich noch so ausprobiere.

Falls jemand eine Idee zum Ausbessern von defekter Kleidung hat, hinterlasst mir gerne einen Kommentar! Ich freue mich natürlich auch falls jemand mein Tutorial ausprobiert und in den Kommentaren einen Link postet, gerne auch zu Instagram o.ä. falls ihr nicht selber bloggt.
Bis heute (Dienstag 21.6.) könnt ihr übrigens noch an der Verlosung des eBooks Sommerimmerkleid Anni teilnehmen, schaut mal den Post von letztem Donnerstag an!


Ich geh dann mal weiter Ausbessern...

Eure Julia

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Kaufshirt: von Maison Scotch, schon einige Jahre alt

Kommentare:

  1. Juliaaaaa! Was für ein toller Blogpost. Wow, wie viel Zeit du da reingesteckt hast. Ich bin ja zugegeben immer ein wenig schreibfaul. Von daher finde ich es immer ganz klasse, wenn andere (im Gegensatz zu mir) sich so viel Mühe mit ihren Blogposts geben.
    Und auch die Idee finde ich mega cool. Ich habe in der Tat schon oft überlegt, wie ich solche Löcher (haben wir hier zum Glück nur selten...wenn dann eher der Mann) flicken könnte. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren :)
    Tausend Dank nochmal und ganz großes Lob dafür! Mach weiter so :-*
    Ich drück dich,
    Ivonne

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    1. Ach du Liebe, ich danke dir! 💜 Ich schreibe so gerne... Ich mach mir dann sogar eher Gedanken ob jemand bis zum Ende liest... 🙈
      War übrigens eine spontane Idee, das Tutorial zu machen! Über den Aufwand habe ich mir vorher nicht so viele Gedanken gemacht... Aber hat Spaß gemacht!
      Drück dich zurück, Julia

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  2. Liebe Julia,
    ich finde deinen ausführlichen Blogpost super! Vielleicht ist das mal ein Ansporn für mich, solche Ausbesserungsarbeiten öfters an gebrauchter Kleidung vorzunehmen.
    Liebe Grüße
    Dani

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    1. Liebe Dani!
      Dank dir! Für mich war das Tutorial ehrlich gesagt auch ein Ansporn mich an den großen Haufen kaputter Klamotten zu machen.... seit mein Großer damit eine Höhle gebaut hat, liegen sie auf einem Haufen... 🙈
      Liebe Grüße
      Julia

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  3. Super Idee! Und das Resultat sieht wirklich gut aus! Nicht von einem "gewollten Used-Look" zu unterscheiden :-)
    Ich stopfe auch manchmal - so oft ergibt sich die Notwendigkeit zum Glück nicht - und habe schon kontrastfarbigen Stoff hinter die Löcher genäht, sodass der ein bisschen durchschaut...
    Liebe Grüße,
    Steffi

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    1. Liebe Steffi,
      wie gut, dass du nicht so oft Löcher hast! Danke für den Tipp mit dem Stoff dahinter nähen, das werde ich auch mal ausprobieren.
      Liebe Grüße Julia

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  4. Hi Julia, bin gerade erst über deine aktuelle ReFashion-Aktion hier auf diesen BlogBeitrag gestoßen. Der ist klasse! Den Stopfstich nehme ich auch sehr gerne zum Flicken. Bügeleinlage mache ich allerdings nur bei stärkeren Stoffen wie, z.B. Jeans, dahinter. Soll nur die Naht halten, der Stoff aber seine Natürlichkeit bewahren, kannst du wasserlösliche Stickfolie (z.B. Madeira Stickvlies avalon film) beim Nähen drunter oder drauf legen. Die gibt dir während des Nähens Stabilität, lässt sich dann aber anschießend mit Wasser wieder rückstandsfrei auflösen. Die Folie wurde wohl für Stickmaschinen entwickelt. Ich habe nur eine Nähmaschine mit kleinem Stickprogrämmchen, aber eine gute Freundin von mir hat eine richtige und gab mir den Tip ;o).

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